Forschung8 Min. gelesen

Was neue Cannabisstudien wirklich zeigen

Aktuelle Studien zu medizinischem Cannabis: leichte Vorteile bei Rückenschmerzen und Migräne, unsichere Evidenz bei Nervenschmerzen sowie wenig belastbare Belege für CBD bei Schlaf, Angst und PTBS.

DocSano Redaktion
2. Juni 2026
Was neue Cannabisstudien wirklich zeigen

Juni 2026

Leichte Verbesserung bei chronischen Rückenschmerzen

Eine der bisher größten und sorgfältigsten Untersuchungen wurde 2025 im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht [1]. An der Studie nahmen 820 Erwachsene mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken teil.

Die Teilnehmenden erhielten entweder ein standardisiertes Cannabisextrakt mit THC oder ein Placebo. Die Behandlung erfolgte über zwölf Wochen. Die Studie war randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert.

In der Cannabisgruppe gingen die Schmerzen stärker zurück als in der Placebogruppe. Rund 54 Prozent der behandelten Personen berichteten über eine Verringerung ihrer Schmerzen um mindestens 30 Prozent. In der Placebogruppe waren es etwa 40 Prozent. Auch Schlaf und Beweglichkeit verbesserten sich etwas.

Der durchschnittliche Unterschied zwischen Cannabis und Placebo betrug allerdings nur 0,6 Punkte auf einer Schmerzskala von 0 bis 10. Das Ergebnis ist deshalb positiv, aber nicht mit einer vollständigen Schmerzfreiheit gleichzusetzen.

Nebenwirkungen traten häufig auf. Dazu gehörten vor allem Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit. Rund 17 Prozent brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Die Studie wurde vom Hersteller des untersuchten Präparats finanziert. Das macht die Ergebnisse nicht wertlos, sollte bei der Einordnung aber berücksichtigt werden.

Beweislage Nervenschmerzen weiter unsicher

Eine 2026 veröffentlichte Cochrane Analyse untersuchte 21 klinische Studien mit mehr als 2.100 Erwachsenen [2]. Im Mittelpunkt standen chronische Schmerzen, die durch geschädigte oder erkrankte Nerven entstehen.

Verglichen wurden Präparate mit überwiegend THC, überwiegend CBD oder einer Kombination aus THC und CBD mit einem Placebo.

Die Forschenden fanden keine hochwertigen Belege dafür, dass Cannabispräparate Nervenschmerzen deutlich besser lindern als ein Placebo. Einige Personen berichteten zwar über leichte Verbesserungen. Diese waren im Durchschnitt jedoch zu klein, um als klarer medizinischer Nutzen zu gelten.

Produkte mit THC führten zudem häufiger zu Schwindel und Müdigkeit. Auch Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen kamen öfter vor.

Vielversprechende Ergebnisse bei akuter Migräne

Eine 2026 veröffentlichte Studie untersuchte erstmals Cannabisblüten bei akuten Migräneanfällen unter kontrollierten Bedingungen [3]. 92 Personen behandelten insgesamt 247 Migräneanfälle. Sie inhalierten entweder Cannabis mit THC, Cannabis mit CBD, eine Kombination aus THC und CBD oder Cannabis ohne wirksame Cannabinoide.

Die Kombination aus THC und CBD schnitt am besten ab. Zwei Stunden nach der Anwendung berichteten rund 67 Prozent über eine deutliche Schmerzlinderung. Mit Placebo waren es etwa 47 Prozent.

Vollständig schmerzfrei waren rund 35 Prozent der Personen nach der Kombination aus THC und CBD. In der Placebogruppe waren es etwa 16 Prozent. Reines CBD war dem Placebo nicht überlegen. Schwere Nebenwirkungen traten während der Untersuchung nicht auf.

CBD in kleiner Studie kein zuverlässig wirksames Schlafmittel

CBD wird häufig zur Verbesserung des Schlafs angeboten. Eine doppelblinde Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte 30 Menschen mit mittelschweren bis schweren Schlafproblemen [4]. Die Hälfte erhielt zwei Wochen lang jeden Abend 150 Milligramm CBD, die andere Hälfte ein Placebo.

Bei den meisten wichtigen Schlafwerten war CBD nicht besser als das Placebo. Die Teilnehmenden schliefen nicht eindeutig länger und ihre Schlafprobleme gingen nicht wesentlich stärker zurück. Einzelne Messwerte, darunter die Schlafeffizienz und das persönliche Wohlbefinden, verbesserten sich etwas.

Wegen der kleinen Teilnehmerzahl und der kurzen Studiendauer sind daraus jedoch keine sicheren Empfehlungen abzuleiten. Die bisherige Forschung bestätigt CBD daher nicht als allgemein wirksames Mittel gegen Schlafstörungen.

Keine Belege bei Angst und PTBS

Eine 2026 in The Lancet Psychiatry veröffentlichte Metaanalyse wertete 54 randomisierte Studien mit insgesamt 2.477 Personen aus [5]. Untersucht wurden Cannabiswirkstoffe bei verschiedenen psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen.

Für Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, psychotische Erkrankungen und mehrere andere Beschwerden fanden die Forschenden keinen überzeugenden Nutzen. Bei Schlafstörungen gab es Hinweise auf eine etwas längere Schlafdauer. Die Qualität dieser Belege war jedoch niedrig.

Fast die Hälfte der ausgewerteten Studien hatte ein hohes Risiko für methodische Verzerrungen. Cannabis sollte deshalb bei psychischen Beschwerden nicht als Ersatz für bewährte Behandlungen angesehen werden.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche medizinische Beratung.

Referenzen

[1] Nature Medicine (2025): Phase 3 randomized, placebo-controlled trial of a full-spectrum Cannabis sativa extract (VER-01) for chronic low back pain. 820 adults, 12-week double-blind phase.

https://www.nature.com/articles/s41591-025-03977-0

[2] Cochrane Database of Systematic Reviews (2026): Cannabis-based medicines for chronic neuropathic pain in adults. 21 studies, 2,187 participants.

https://www.cochrane.org/evidence/CD012182_what-are-benefits-and-risks-cannabis-based-medicines-adults-chronic-neuropathic-pain

[3] PubMed (2026): Randomized, double-blind, placebo-controlled crossover trial of vaporized cannabis flower for acute migraine. 92 participants, 247 migraine attacks.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41469488/

[4] PMC (2024): Randomized, placebo-controlled, parallel pilot trial of 150 mg CBD nightly for primary insomnia. 30 participants.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11063694/

[5] The Lancet Psychiatry (2026): Systematic review and meta-analysis of cannabinoids for mental disorders and substance use disorders. 54 RCTs, 2,477 participants.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41856154/

Lies

weiter
Alle Artikel
DocSano Newsletter

Gut informiert bleiben

Erhalte Neuigkeiten zu spannenden Therapieansätzen, medizinischem Cannabis, Gesundheit und neuen Produkten direkt per E-Mail.

Wir teilen niemals Deine Daten. Siehe unsere Datenschutzvereinbarungen